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Käse aus Österreich: Regionen, Typen und was geschützt ist

20. März 2026 4 Min. LesezeitAktualisiert 04.08.2026

Käse aus Österreich: Regionen, Typen und was geschützt ist - TIROLISH

Österreichs Käselandschaft ist nach Regionen geordnet, nicht nach Marken. Acht Sorten tragen eine geschützte Ursprungsbezeichnung — und wer die vier Grundtypen dahinter kennt, findet sich im Regal schneller zurecht als über Herkunftsangaben allein.

+++ Der Kern

Vier Grundtypen, nicht neun Bundesländer

Es ist verlockend, österreichischen Käse nach Bundesländern zu sortieren. Nützlicher ist die Frage, wie er gemacht wird — daraus ergibt sich Geschmack, Verwendung und Preis. Vier Typen decken praktisch alles ab:

Bergkäse. Lang gereifter Hartkäse aus dem Tal, meist aus silofreier Heumilch. Nussig, fest, mit den Monaten zunehmend kräftig.

Alm- und Alpkäse. Auf der Alm während des Sommers hergestellt, in kleinen Mengen. Der Rohstoff wechselt mit der Weide, deshalb schmeckt kein Jahrgang wie der andere.

Sauermilchkäse. Aus Magermilch, ohne Lab gesäuert. Sehr mager, säuerlich, intensiv — und je nach Region völlig anders benannt.

Der vierte Typ sind die Schnitt- und Rotschmierekäse: kürzer gereift, weicher, oft mit gepflegter Rinde. Sie machen den Alltag aus, während Berg- und Almkäse die Sonntagsseite besetzen.

+++ Geschützt

Die eingetragenen Bezeichnungen

Diese Namen sind EU-rechtlich geschützt und dürfen nur von Betrieben verwendet werden, die die jeweilige Spezifikation erfüllen. Sie stehen hier zur Einordnung — nicht als Beschreibung unseres Sortiments.

Region Geschützte Bezeichnungen Typ
Tirol Almkäse / Alpkäse g.U., Bergkäse g.U., Graukäse g.U. Alm-, Hart- und Sauermilchkäse
Vorarlberg Alpkäse g.U., Bergkäse g.U. Alm- und Hartkäse
Steiermark Ennstaler Steirerkas g.U. Sauermilchkäse
Kärnten Gailtaler Almkäse g.U. Almkäse
überregional Käse aus Heumilch g.t.S. keine Sorte, sondern ein Verfahren
Tirol3× g.U.

Almkäse/Alpkäse, Bergkäse und Graukäse — Alm-, Hart- und Sauermilchkäse in einem Land.

Vorarlberg2× g.U.

Alpkäse und Bergkäse, beide aus Rohmilch.

Steiermark1× g.U.

Ennstaler Steirerkas, ein Sauermilchkäse.

Kärnten1× g.U.

Gailtaler Almkäse.

Daneben gibt es regionale Spezialitäten ohne EU-Eintrag, die trotzdem eine eigene Handschrift haben: Montafoner Sura Kees, Glundner Käse, Pinzgauer Bierkäse, Mostviertler Schofkas, Bregenzerwälder Alp- und Bergkäse.

+++ Missverständnis

Eine g.U. ist kein Qualitätssiegel

Sie sichert Herkunft und Verfahren, nicht die Güte des einzelnen Laibs. Ein Käse ohne Eintrag kann besser sein als einer mit — entscheidend bleiben Rohstoff, Reifezeit und Handwerk des Betriebs.

Umgekehrt gilt: Wer den geschützten Namen führen darf, hat sich Auflagen unterworfen. Bei Bergkäse mit g.U. heißt das etwa Rohmilchpflicht. Das ist eine Information, kein Urteil.

+++ Sonderfall

Sauermilchkäse: ein Prinzip, viele Namen

Kein Käsetyp wird so häufig verwechselt. Er entsteht aus Magermilch, gesäuert statt mit Lab dickgelegt, und enthält kaum Fett — trotzdem ist er einer der intensivsten Käse überhaupt. Je nach Tal heißt dasselbe Prinzip anders:

Name Region Besonderheit
Graukäse Tirol, Pustertal, Ahrntal reift von außen nach innen, der Rand wird glasig
Steirerkas Steiermark oft feiner zerrieben und stärker gewürzt, meist als Aufstrich
Montafoner Sura Kees Vorarlberg im Montafon traditionell in Holzgefäßen gereift
Glundner Käse Kärnten weicher, häufig warm verarbeitet
GraukäseTirol

Reift von außen nach innen, der Rand wird glasig, der Kern bleibt bröckelig.

SteirerkasSteiermark

Oft feiner zerrieben und stärker gewürzt, meist als Aufstrich.

Sura KeesVorarlberg

Im Montafon traditionell in Holzgefäßen gereift.

Glundner KäseKärnten

Weicher als die anderen, häufig warm verarbeitet.

Wer Sauermilchkäse zum ersten Mal probiert, sollte ihn nicht pur auf nüchternen Gaumen essen. Essig, Öl und Zwiebeln sind keine Verlegenheitslösung, sondern fangen die Säure auf.

+++ Heumilch

Die überregionale Klammer

„Heumilch g.t.S." ist keine Sorte, sondern ein Verfahren: Die Tiere bekommen keine vergorene Silage, sondern Gras im Sommer und Heu im Winter. Das ist kein Marketing, sondern eine handwerkliche Notwendigkeit — Silage bringt Gärkeime in die Milch, die bei lang gereiftem Hartkäse zu Fehlgärungen führen.

Deshalb findet man silofreie Fütterung quer durch die Alpenregionen, unabhängig vom Bundesland. Wer wissen will, warum ein Bergkäse überhaupt monatelang reifen kann, findet hier die Antwort.

+++ Beim Kauf

Woran du ansetzt

Erst der Typ, dann die Region. „Österreichischer Käse" sagt wenig. Hart, Alm, Sauermilch oder Schnitt sagt alles über Geschmack und Verwendung.

Reifezeit in Monaten. Nicht „lange gereift", sondern eine Zahl. Ohne sie lässt sich weder Würze noch Schmelzverhalten einschätzen.

Betrieb statt Land. Wer die Sennerei nennt, kann dafür geradestehen. „Aus Österreich" ist keine Auskunft.

+++ Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Welche österreichischen Käse sind geschützt?

Eingetragen sind Almkäse/Alpkäse und Bergkäse aus Tirol und Vorarlberg, Graukäse aus Tirol, Ennstaler Steirerkas aus der Steiermark und Gailtaler Almkäse aus Kärnten. Dazu kommt „Käse aus Heumilch g.t.S." als überregional geschütztes Verfahren.

Was ist der Unterschied zwischen Alm- und Bergkäse?

Almkäse entsteht während des Sommers oben auf der Alm, in kleinen Mengen und mit wechselndem Rohstoff. Bergkäse wird ganzjährig im Tal hergestellt, aus Milch mehrerer Betriebe, und ist dadurch gleichmäßiger. Beide sind lang gereifte Hartkäse.

Welche Region macht den besten Käse?

Die Frage lässt sich nicht beantworten, weil die Regionen verschiedene Typen führen. Vorarlberg und Tirol sind für lang gereiften Hartkäse bekannt, die Steiermark und Kärnten für Sauermilch- und Weichkäsetraditionen. Sinnvoller ist die Frage nach dem Betrieb.

Warum ist Sauermilchkäse so mager?

Weil er aus Magermilch entsteht — der Rahm wird vorher abgeschöpft. Historisch war das kein Verzicht, sondern Wirtschaftlichkeit: Aus dem Rahm wurde Butter, aus der Magermilch Käse. Der Geschmack entsteht dabei über die Säuerung, nicht über das Fett.

Ist Bergkäse aus verschiedenen Regionen unterschiedlich?

Ja, vor allem über Milch und Auflagen. Bergkäse mit g.U. aus Tirol oder Vorarlberg muss aus Rohmilch sein. Andere Bergkäse werden aus thermisierter oder pasteurisierter Milch hergestellt, was das Aroma milder und gleichmäßiger macht. Hinzu kommen Reifezeit und Kellerklima des jeweiligen Betriebs.

+++ Passend dazu

Unser Ausschnitt: das Zillertal

Wir führen keinen Querschnitt durch Österreich, sondern Käse aus einem Tal — aus silofreier Heumilch, von benannten Sennereien, mit angegebener Reifezeit. Ohne geschützte Bezeichnung, dafür mit Adresse.

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