Erdäpfelkas ist — trotz des Namens — ein Aufstrich ganz ohne Käse: mehlige Erdäpfel, warm durch die Presse gedrückt, mit Butter, feiner Zwiebel und Sauerrahm zu einer cremigen Masse verrührt, gewürzt mit Salz, Kümmel und Paprika. „Kas" heißt er nur, weil er sich aufs Brot streichen lässt wie ein Streichkäse. Entscheidend sind mehlige Erdäpfel, das Verrühren in noch warmem Zustand — und ein paar Stunden Kühlschrank vor dem Servieren.
Für die Jause dazu: Speck und Kaminwurzen aus dem Zillertal ansehen
Im Guide
Was Erdäpfelkas ist — und warum kein Käse drin ist
Erdäpfelkas — in Bayern Kartoffelkäse genannt — ist ein klassischer Brotzeit-Aufstrich aus der einfachen Küche: Erdäpfel, Zwiebel, Butter, Sauerrahm. Der Name führt in die Irre, hat aber eine einfache Erklärung: Die cremige Masse wird gestrichen und gegessen wie ein Streichkäse — also nannte man sie „Kas". Zuhause ist der Aufstrich vor allem im oberösterreichischen Inn- und Mühlviertel und im angrenzenden Bayern; gegessen wird er längst überall, wo es eine ordentliche Jause gibt.
Was ihn von Aufstrichen aus dem Kühlregal unterscheidet: Er besteht aus vier Grundzutaten, ist in 30 Minuten gemacht und schmeckt am nächsten Tag besser als am ersten — ein ideales Rezept zum Vorbereiten.
Die richtigen Erdäpfel: mehlig und noch warm
- Mehlige Sorten sind Pflicht. Sie zerfallen beim Pressen zu einer feinen, bindenden Masse — speckige Erdäpfel bleiben stückig und machen den Aufstrich grieselig.
- Noch warm verarbeiten. Warme Erdäpfel nehmen Butter und Sauerrahm auf wie ein Schwamm; erkaltete verkleben und werden pappig. Also: kochen, kurz ausdampfen, schälen, sofort pressen.
- Pressen statt mixen. Die Erdäpfelpresse (oder der Stampfer) hält die Masse locker. Ein Mixstab macht aus Erdäpfelstärke Kleister — der Aufstrich wird zäh.
Zutaten für 4 Portionen
Ergibt eine Schüssel für eine Jause zu viert — oder zwei Tage Brotzeit für zwei.
- 600 g mehlige Erdäpfel
- 40 g Butter, weich
- 1 mittlere Zwiebel, sehr fein gehackt
- 150 g Sauerrahm
- 100 g Schlagobers (nach Belieben, für die cremigere Variante)
- 1 TL Salz
- ½ TL Kümmel, gemahlen oder ganz
- 1 TL Paprikapulver, edelsüß
- ½ Bund Schnittlauch
- n. B. Pfeffer, 1 kleine Knoblauchzehe
Zubereitung
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1Erdäpfel kochen. In der Schale etwa 25 Minuten weich kochen, kurz ausdampfen lassen und noch warm schälen.
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2Pressen. Die warmen Erdäpfel durch die Erdäpfelpresse drücken oder fein zerstampfen — nicht mixen.
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3Butter einarbeiten. Die weiche Butter zur warmen Masse geben und verrühren, bis sie geschmolzen und verteilt ist.
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4Cremig rühren. Zwiebel, Sauerrahm und nach Belieben Schlagobers einrühren, bis eine streichfähige Creme entsteht.
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5Abschmecken. Mit Salz, Pfeffer, Kümmel und Paprika kräftig würzen — Erdäpfel schlucken Gewürz. Zum Schluss den Schnittlauch unterheben.
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6Kalt stellen. Mindestens zwei, besser einige Stunden zugedeckt in den Kühlschrank: Erst durchgezogen verbinden sich Kümmel, Zwiebel und Rahm zum runden Geschmack.
Drei Richtungen für den Erdäpfelkas
Klassisch
Wie im Grundrezept: Kümmel, Paprika, Schnittlauch. So steht er im Innviertel und Mühlviertel auf dem Jausentisch — mild, cremig, mit feiner Zwiebelschärfe.
Deftig mit Speck
Knusprig gebratene Speckwürfel unterheben oder obenauf streuen — der Aufstrich wird zur eigenständigen Mahlzeit. Auch fein: ein paar Grammeln nach Schmalz-Art.
Frisch und leicht
Ohne Obers, dafür mit mehr Sauerrahm, Radieschenwürfeln und viel Schnittlauch — die Sommerfassung, die gut zu einem Glas Most oder hellem Bier passt.
Wenn etwas schiefgeht
Der Aufstrich ist zäh und kleistrig.
Ursache: gemixt statt gepresst — die Stärke ist verkleistert. Lösung: Retten lässt sich das kaum; beim nächsten Mal Presse oder Stampfer verwenden und nur mit dem Löffel verrühren.
Die Masse ist zu fest zum Streichen.
Ursache: zu wenig Flüssigkeit oder zu kalt verarbeitet. Lösung: Löffelweise Sauerrahm oder einen Schuss Milch einrühren, bis die Konsistenz passt.
Der Erdäpfelkas schmeckt fad.
Ursache: zu zaghaft gewürzt oder nicht durchgezogen. Lösung: Kräftig nachsalzen, eine Prise Kümmel dazu — und dem Aufstrich die Stunden im Kühlschrank gönnen, die er braucht.
Die Jause dazu
Erdäpfelkas gehört auf dunkles, kräftiges Bauernbrot — dick gestrichen, mit frischem Schnittlauch obenauf. Auf dem Jausenbrett daneben: Kaminwurzen, ein paar Scheiben Speck und säuerlich Eingelegtes. Der milde, kühle Aufstrich ist der ideale Gegenpol zu geräucherter Wurst und würzigem Käse.
Der Sauerrahm ist dabei mehr als Bindung — er bringt die frische Säure, die den Aufstrich leicht wirken lässt. Was Sauerrahm genau ist und wodurch er sich ersetzen lässt, steht in der Sauerrahm-Warenkunde.
Was neben den Erdäpfelkas gehört
Ein milder, cremiger Aufstrich verlangt nach würzigen Nachbarn: luftgetrocknete Kaminwurzen zum Aufschneiden und ein kräftiger Speck machen aus dem Brot mit Erdäpfelkas eine vollständige Marend.
Häufige Fragen zu Erdäpfelkas
Ist im Erdäpfelkas wirklich kein Käse?
Nein, kein Gramm. Der Aufstrich besteht aus Erdäpfeln, Butter, Zwiebel und Sauerrahm. „Kas" heißt er nur, weil er gestrichen wird wie ein Streichkäse — dieselbe Logik wie beim bayrischen Namen Kartoffelkäse.
Wie lange hält Erdäpfelkas im Kühlschrank?
Zugedeckt zwei bis drei Tage. Am besten schmeckt er am zweiten Tag, wenn Kümmel und Zwiebel durchgezogen sind. Vor dem Servieren kurz durchrühren und bei Bedarf mit einem Löffel Sauerrahm auffrischen. Einfrieren eignet sich nicht — die Masse trennt sich beim Auftauen.
Was ist der Unterschied zwischen Erdäpfelkas und Kartoffelkäse?
Keiner — es ist dasselbe Rezept unter zwei Namen: Erdäpfelkas in Österreich, Kartoffelkäse in Bayern. Regional unterscheiden sich nur Details wie die Menge an Rahm oder die Würzung mit Kümmel und Paprika.
Kann man Erdäpfelkas ohne Sauerrahm machen?
Ja — mit Crème fraîche (kräftiger), Topfen (magerer, dann etwas Milch zugeben) oder Joghurt (säuerlicher, flüssiger dosieren). Der Charakter lebt aber von der milden Säure des Sauerrahms; ganz ohne säuerliche Komponente wird der Aufstrich schnell fad.
