Gebunden wird am 14. August, geweiht am 15. In die Mitte kommt die Königskerze, außen die kräftigen Zweige, innen die zarten Blüten — und die Anzahl der Pflanzen ist nicht beliebig, sondern folgt einer Zahlensymbolik. Sieben, neun, zwölf oder vierundzwanzig sind die gebräuchlichsten.
Die Grundregel
Wie viele Kräuter in den Buschen gehören
Anders als bei einem Blumenstrauß zählt beim Kräuterbuschen die Anzahl mit. Jede der überlieferten Zahlen hat eine Bedeutung, und welche du wählst, ist deine Entscheidung — verbindlich ist keine davon.
| Anzahl | Wofür sie steht | In der Praxis |
|---|---|---|
| 7 | Die Tage der Schöpfung | Die kleinste gebräuchliche Zahl. Gut machbar, wenn du im eigenen Garten sammelst |
| 9 | Dreimal drei — die Dreifaltigkeit | Die verbreitetste Variante und ein guter Ausgangspunkt |
| 12 | Die zwölf Apostel | Braucht schon eine gewisse Vielfalt an Standorten |
| 24 | Zwölf Stämme Israels und zwölf Apostel | Ein stattlicher Buschen, den man mit beiden Händen trägt |
| 72 | Sechsmal zwölf — die Jünger | Selten, und eher etwas für Kräuterrunden als für einen Haushalt |
Die kleinste gebräuchliche Zahl — gut machbar aus dem eigenen Garten
Die verbreitetste Variante und ein guter Ausgangspunkt
Braucht schon eine gewisse Vielfalt an Standorten
Ein stattlicher Buschen, den man mit beiden Händen trägt
Selten, eher etwas für Kräuterrunden als für einen Haushalt
Die Deutungen unterscheiden sich regional — bei der 24 findet man neben den Stämmen und Aposteln auch die vierundzwanzig Ältesten der Offenbarung. Das ist kein Widerspruch, den man auflösen müsste: Der Brauch ist mündlich überliefert, und mündliche Überlieferung erlaubt sich Varianten.
Die Auswahl
Welche Pflanzen hineinkommen
Im Zentrum steht in aller Regel die Königskerze. Sie ist hoch, hat einen festen Stiel und gibt dem Buschen Halt — alle anderen Pflanzen lehnen sich an sie an. In manchen Gegenden nimmt man stattdessen einen Rohrkolben oder eine Wetterkerze.
Rund um die Mitte sind gebräuchlich: Alant, Arnika, Baldrian, Beifuß, Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Liebstöckel, Minze, Rainfarn, Salbei, Schafgarbe, Thymian und Wermut. Dazu kommen vielerorts Ähren aus dem Getreide der Umgebung — das war ursprünglich der eigentliche Punkt: Der Buschen zeigt, was auf den Feldern und Wiesen rundherum wächst.
Im Duft dominiert meist der Wermut, bitter und kräftig, daneben die Kamille, süßlich und warm. Wer den Buschen nach dem Binden kurz in der Hand hält und daran riecht, merkt sofort, ob die Mischung stimmt oder ob eine Pflanze alles übertönt.
Schritt für Schritt
So wird der Buschen gebunden
Stiele auf gleiche Länge schneiden. Etwa 25 bis 30 Zentimeter. So liegt der Buschen gut in der Hand und hängt später ordentlich an der Wand.
Königskerze in die Mitte. Sie steht aufrecht und bildet die Achse. Erst wenn sie steht, kommt der Rest dazu.
In Kreisen aufbauen. Die kräftigen, holzigen Zweige nach außen, die zarten Blüten weiter innen oder als sichtbare Krone. So knickt nichts ab und der Buschen behält seine Form.
Mit Naturhanf binden. Kein Synthetikband — es rutscht und trocknet nicht mit. Fest genug, dass nichts herausfällt; locker genug, dass beim Trocknen Luft an die Stiele kommt.
Nach der Weihe kopfüber aufhängen. Trocken, dunkel und luftig. Kopfüber, damit die Stiele gerade bleiben; dunkel, damit die Farbe nicht ausbleicht.
Bevor du losgehst
Drei Regeln beim Sammeln
Nur Pflanzen, die du zweifelsfrei erkennst. Mehrere der klassischen Buschenkräuter haben Doppelgänger, die man im Vorbeigehen leicht verwechselt. Wenn du bei einer Pflanze zögerst, lass sie stehen — der Buschen wird auch mit einer weniger schön.
Keine geschützten Arten, keine fremden Flächen. Arnika steht in Österreich vielerorts unter Schutz und darf nicht überall gepflückt werden. In Schutzgebieten gelten eigene Regeln, und auf einer Wiese, die jemandem gehört, wird gefragt. Beides ist keine Formalie.
Der Buschen ist Brauchtum. Früher wurde er als Tee aufgegossen, ins Futter gemischt oder bei Gewitter im Ofen verbrannt — das gehört zur Geschichte des Brauchs. Eine medizinische Anwendung leitet sich daraus nicht ab, und der Buschen ist auch nicht dafür gebunden.
Nach der Weihe
Wo der Buschen hinkommt
Traditionell hängt der geweihte Buschen im Herrgottswinkel — der Ecke der Stube mit dem Kreuz — und bleibt dort bis zum nächsten Jahr. Er wird also nicht weggeworfen, wenn er trocken ist; das Trockenwerden gehört dazu.
In Tirol heißt er je nach Tal auch Frauenbuschen, anderswo Würzwisch, Krautwisch oder Weihbüschel. Gemeint ist überall dasselbe.
Wenn er schimmelt oder unangenehm riecht, kommt er weg. Das passiert vor allem, wenn zu fest gebunden oder zu feucht gesammelt wurde — beides lässt sich im nächsten Jahr korrigieren.
+++ Passend dazu
Die Jause danach
Der 15. August ist ein langer Vormittag: Messe, Weihe, in vielen Gemeinden noch eine Prozession. Man steht viel und kommt hungrig heim, meist mit mehr Leuten als geplant.
Dafür braucht es nichts Aufwendiges. Eine Brettljause ist in zehn Minuten angerichtet: ein gereifter Schnittkäse, etwas Kräftiges daneben, eine luftgetrocknete Wurst, Speck, dunkles Brot und etwas Saures. Als Hauptmahlzeit rechnest du mit rund 375 Gramm pro Person.
Häufige Fragen
Kräuterbuschen: Fragen und Antworten
Welche Kräuter gehören in den Kräuterbuschen?
In die Mitte die Königskerze, außen herum gebräuchlich: Alant, Arnika, Baldrian, Beifuß, Frauenmantel, Johanniskraut, Kamille, Liebstöckel, Minze, Rainfarn, Salbei, Schafgarbe, Thymian und Wermut. Dazu vielerorts Getreideähren aus der Umgebung. Eine überall verbindliche Liste gibt es nicht — die Auswahl richtet sich danach, was in der Gegend wächst.
Wie viele Kräuter müssen es sein?
Üblich sind 7, 9, 12 oder 24, seltener 72. Die Zahlen sind symbolisch: sieben für die Schöpfungstage, neun als dreimal drei für die Dreifaltigkeit, zwölf für die Apostel, vierundzwanzig für die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel. Neun ist die verbreitetste Variante und ein guter Ausgangspunkt.
Wann wird der Kräuterbuschen gebunden?
Am Tag vor Mariä Himmelfahrt, also am 14. August, damit die Pflanzen frisch sind. Geweiht wird er am 15. August in der Messe. Gesammelt wird am besten am Vormittag, wenn der Tau ab ist, die Mittagshitze aber noch nicht da — die ätherischen Öle sitzen dann am dichtesten im Blatt.
Wie bindet man einen Kräuterbuschen richtig?
Stiele auf 25 bis 30 Zentimeter kürzen, die Königskerze als Achse in die Mitte, dann in Kreisen aufbauen: kräftige Zweige nach außen, zarte Blüten nach innen oder als Krone. Gebunden wird mit Naturhanf, nicht mit Synthetikband — fest genug, dass nichts herausfällt, locker genug, dass Luft an die Stiele kommt.
Was macht man mit dem Buschen nach der Weihe?
Kopfüber an einem trockenen, dunklen und luftigen Platz aufhängen, traditionell im Herrgottswinkel. Dort bleibt er bis zum nächsten Jahr — das Trockenwerden gehört dazu. Bei Schimmel oder unangenehmem Geruch kommt er weg; das deutet meist darauf hin, dass zu fest gebunden oder zu feucht gesammelt wurde.
Wie heißt der Kräuterbuschen in Tirol?
Je nach Tal auch Frauenbuschen — nach dem Hohen Frauentag, wie der 15. August in Tirol heißt. Andere Regionen sagen Würzwisch, Krautwisch oder Weihbüschel. Gemeint ist überall dasselbe: ein gebundenes Bündel aus Kräutern der Umgebung, das in der Messe gesegnet wird.
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