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Hoher Frauentag in Tirol: Brauch, Kräuterweihe, Jause

30. Juli 2026 6 Min. LesezeitAktualisiert 05.08.2026

Hoher Frauentag in Tirol — Brauch, Kräuter & Jausn - TIROLISH

Der Hohe Frauentag ist der 15. August — und in Tirol fallen an diesem Tag drei Dinge zusammen. Ein Marienfest, das zu den ältesten der Kirche gehört. Ein Landesgedenken, das seit 1959 an den Freiheitskampf von 1809 erinnert. Und ein Brauch, der jedes Jahr aufs Neue Kräuterwissen weitergibt.

Der Rahmen

Zwei Wurzeln, ein Datum

Der freie Tag kommt von der Kirche: Mariä Himmelfahrt ist in ganz Österreich einer der dreizehn gesetzlichen Feiertage — in Wien genauso wie in Innsbruck. Im Alpenraum trägt das Fest seit dem Mittelalter den Namen Hoher Frauentag.

Dazu kommt in Tirol eine zweite Ebene. Ein Landtagsgesetz vom 11. September 1957 richtete eine Landesgedächtnisstiftung zur Erinnerung an 1809 ein; im Jahr der 150-Jahr-Feiern erklärte Landeshauptmann Hans Tschiggfrey den 15. August zum Landesfeiertag. Seither steht neben dem Gottesdienst der landesübliche Empfang in Innsbruck, bei dem auch Landesauszeichnungen überreicht werden. Wie es dazu kam, steht im Beitrag zu Andreas Hofer und dem Landesfeiertag.

Beides ist deshalb richtig: Der Tag ist ein Kirchenfest, und er ist ein Landesgedenken. Ein zusätzlicher freier Tag ist die zweite Ebene aber nicht — den gäbe es auch ohne sie.

Am Tag selbst

Wie der Vormittag abläuft

Der 15. August ist kein zentral organisierter Termin, sondern läuft in jeder Gemeinde etwas anders. Der Rhythmus ist trotzdem fast überall derselbe:

1

Festmesse in der Pfarrkirche. Meist am Vormittag, oft länger als ein gewöhnlicher Sonntag.

2

Kräuterweihe. Die mitgebrachten Buschen werden gesegnet — in der Kirche oder danach am Kirchplatz. Sie stehen dabei im Mittelpunkt, nicht am Rand.

3

Prozession durch den Ort. Wo sie stattfindet, begleiten Musikkapelle und Schützenkompanie den Zug, viele Teilnehmer kommen in Tracht.

4

Die Jause. Danach wird zusammengesessen — meist mit mehr Leuten, als am Morgen geplant waren.

Ob und in welcher Form eine Prozession stattfindet, entscheidet der Ort, und bei schlechtem Wetter fällt sie mancherorts aus, während die Messe bleibt. Wer hinfahren will, prüft das Programm vorher bei Gemeinde, Pfarre oder Schützenkompanie — Uhrzeiten und Ablauf ändern sich von Jahr zu Jahr.

Der Brauch

Der Kräuterbuschen

Gebunden wird am Vorabend, dem 14. August, damit die Pflanzen frisch sind. In die Mitte kommt die Königskerze, sie gibt dem Buschen Halt und Höhe; außen herum die kräftigen Zweige, innen die zarten Blüten.

Die Anzahl zählt mit: 7 für die Schöpfungstage, 9 als dreimal drei für die Dreifaltigkeit, 12 für die Apostel, 24 für die zwölf Stämme Israels und die zwölf Apostel. Neun ist die verbreitetste Variante. Verbindlich ist keine der Zahlen.

Nach der Weihe hängt der Buschen kopfüber an einem trockenen, dunklen Platz — traditionell im Herrgottswinkel — und bleibt dort bis zum nächsten Jahr. Die vollständige Pflanzenliste und die fünf Arbeitsschritte stehen unter Kräuterbuschen binden.

Was danach kommt

Der 15. August ist der Auftakt

30 Tage

Der Frauendreißiger beginnt. Die dreißig Tage ab Mariä Himmelfahrt gelten in der bäuerlichen Überlieferung als die Kräuterzeit des Jahres. Das Ende schwankt regional zwischen dem 8. und dem 15. September. Mehr dazu unter Frauendreißiger.

Der Grund

Es steckt eine Beobachtung dahinter, kein Wunder. Im Spätsommer werden die Tage kürzer, die Pflanzen stellen das Wachstum ein, die ätherischen Öle sitzen dichter im Blatt. Eine Erntezeitregel, in kirchliche Daten eingebunden.

Die Grenze

Brauchtum ist keine Medizin. Dass Kräuter aus diesen Tagen besonders heilkräftig seien, gehört zum Volksglauben. Dass sie aromatischer sind, ist Erntepraxis. Das eine ist keine Grundlage für das andere.

Die Jausn

Was nach der Kirche auf den Tisch kommt

Eine verbindliche Festtagsspeise zum 15. August gibt es nicht — anders als beim Weihnachtsessen hat sich hier kein festes Gericht durchgesetzt. Was sich durchgesetzt hat, ist die Logik des Tages: Der Vormittag dauert länger als geplant, man steht viel, und am Nachmittag will niemand mehr anfangen zu kochen.

Deshalb steht fast überall dasselbe auf dem Brett:

Baustein Menge p. P. Warum er dazugehört
Zwei bis drei Käse 100–130 g Ein milder Schnittkäse als Basis, etwas Gereiftes mit mehr Würze daneben. Drei Sorten reichen — mehr wird auf dem Brett unübersichtlich
Speck 60–80 g Dünn geschnitten und erst kurz vor dem Auflegen, sonst trocknet er an den Rändern aus
Eine luftgetrocknete Wurst 40–60 g Kaminwurzen oder Ähnliches — sie hält sich am Brett am längsten und braucht keine Kühlung während des Essens
Dunkles Brot 80–100 g Roggen- oder Bauernbrot. Weißbrot verschwindet unter dem Käse, statt ihn zu tragen
Etwas Saures nach Bedarf Essiggurken, eingelegtes Gemüse oder Radieschen. Ohne den sauren Gegenpol wird die Platte nach zwanzig Minuten schwer
Zwei bis drei Käse100–130 g

Ein milder Schnittkäse als Basis, etwas Gereiftes daneben. Drei Sorten reichen

Speck60–80 g

Dünn geschnitten und erst kurz vor dem Auflegen, sonst trocknet er aus

Luftgetrocknete Wurst40–60 g

Kaminwurzen halten sich am Brett am längsten

Dunkles Brot80–100 g

Roggen oder Bauernbrot — Weißbrot verschwindet unter dem Käse

Etwas Sauresnach Bedarf

Ohne sauren Gegenpol wird die Platte nach zwanzig Minuten schwer

Zusammen sind das rund 375 Gramm pro Person, wenn die Jause die Hauptmahlzeit ist. Kommt sie zusätzlich zu einem Mittagessen, reicht gut die Hälfte.

Ein praktischer Hinweis, der an einem heißen Augusttag zählt: Käse und Speck bleiben bis kurz vor dem Essen im Kühlschrank, und es kommt nur auf das Brett, was auch gegessen wird. Nachlegen ist kein Aufwand — eine halbe Stunde in der Sonne dagegen schon ein Verlust.

+++ Passend dazu

Wenn mehr Leute kommen als geplant

Am 15. August sitzt oft die halbe Verwandtschaft am Tisch, und der Einkauf war am Tag davor. Eine fertig zusammengestellte Brettljause nimmt einem genau diese Rechnerei ab — Käse, Speck und Wurst sind aufeinander abgestimmt, und die Mengen stimmen für eine Runde.

Brettljause ansehen

Häufige Fragen

Hoher Frauentag: Fragen und Antworten

Was ist der Hohe Frauentag?

Der 15. August, Mariä Himmelfahrt. Im Alpenraum trägt das Fest seit dem Mittelalter diesen Namen. In Tirol kommt seit 1959 eine zweite Bedeutung dazu: Der Tag wird auch als Landesfeiertag begangen, in Erinnerung an den Freiheitskampf von 1809.

Ist der 15. August in Tirol ein freier Tag?

Ja — aber nicht wegen des Landesfeiertags. Mariä Himmelfahrt ist in ganz Österreich einer der dreizehn gesetzlichen Feiertage, der freie Tag gilt also in jedem Bundesland. Die Tiroler Landesbedeutung ist eine zusätzliche Ebene und bringt keinen weiteren freien Tag.

Wie läuft der Tag in den Gemeinden ab?

Meist in dieser Reihenfolge: Festmesse, Kräuterweihe, Prozession durch den Ort, danach die Jause. Musikkapelle und Schützen begleiten den Zug, viele kommen in Tracht. Ob und wie eine Prozession stattfindet, entscheidet der Ort — bei schlechtem Wetter fällt sie mancherorts aus, die Messe bleibt. Programm und Uhrzeiten vorher bei Gemeinde oder Pfarre prüfen.

Was gehört auf die Jause zum 15. August?

Eine verbindliche Festtagsspeise gibt es nicht. Bewährt hat sich die Brettljause: zwei bis drei Käse (100–130 g pro Person), Speck (60–80 g), eine luftgetrocknete Wurst (40–60 g), dunkles Brot (80–100 g) und etwas Saures. Als Hauptmahlzeit ergibt das rund 375 Gramm pro Person.

Wann beginnt der Frauendreißiger?

Am 15. August. Die dreißig Tage danach gelten in der bäuerlichen Überlieferung als die Kräuterzeit des Jahres. Das Ende schwankt regional zwischen Mariä Geburt am 8. September, Mariä Namen am 12. und Mariä Schmerzen am 15. September — am häufigsten wird der 15. September genannt.

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