Sennerin sein: 100 Tage Alm, fünf Uhr aufstehen

Bevor das erste Licht ins Tal fällt, steht Maria schon draußen. Zehn Minuten, jeden Morgen, seit 25 Jahren. Der Sonnenaufgang über dem Grat, die Stille vor dem ersten Muhen — dann geht es los.

Eine Sennerin, 25 Saisonen

Maria hat ihre erste Saison als Zwanzigjährige gemacht. Damals fast aus Neugier, wegen einer Freundin, die gefragt hatte, ob sie mitkäme. Aus einem Sommer wurden fünf, aus fünf wurden zehn. Heute denkt sie nicht mehr in Saisonen. Sie denkt in Almjahren.

Ihre Alm liegt auf knapp 1.800 Metern. Rund 30 Kühe, ein kleiner Käsekeller, eine Hütte, die im Juni noch unter Schneeresten liegt. Für 100 Tage ist das ihre Welt.

Wie ein Tag auf der Alm wirklich aussieht

Fünf Uhr. Aufstehen, anziehen, raus. Die Kühe warten nicht. Melken dauert gut zwei Stunden — von Hand und Maschine gemischt, je nach Bestand. Was danach kommt, hängt vom Tag ab: Käsen, Hütte putzen, Wanderer mit Brettljause versorgen, Zäune kontrollieren, Tiere beobachten.

Ein Tier, das nicht frisst, schläft nicht. Eine Sennerin, die das übersieht, auch nicht. Der Alltag auf der Alm ist körperlich, repetitiv — und er verlangt echte Aufmerksamkeit. Nicht die Art, die man mal kurz einschaltet. Sondern die, die nach drei Wochen zur zweiten Natur wird.

Wie viele Sennerinnen gibt es in Tirol noch?

In Tirol gibt es derzeit rund 2.100 bewirtschaftete Almen. Aber nur noch etwa 1.500 Sennerinnen und Senner — Tendenz sinkend. Wer den Beruf als Sennerin in Tirol ergreifen oder eine Alm bewirtschaften will, findet zwar Kurse und Einstiegsprogramme, aber kaum leichte Bedingungen: 100 Tage abseits von Familie, Freunden, stabilem Internet. Saison Juni bis September.

Viele Almen werden heute als sogenannte Galtalmen geführt: Tiere oben, kein Melken, kein Käsen, kein Hüttenbetrieb. Einfacher zu organisieren — aber ohne das, was eine Alm zur Alm macht. Dass es überhaupt noch Sennerinnen wie Maria gibt, ist kein Selbstverständnis mehr.

Die genannten Zahlen zu Almen und Senner:innen sind Richtwerte — bei Veröffentlichung gegen aktuelle Daten der Tiroler Almwirtschaft prüfen.

Was der Beruf zahlt — und was er kostet

Die Bezahlung liegt meist zwischen 2.500 und 3.500 Euro netto für die Saison, Kost und Logis inklusive. Für manche ist das zu wenig für zu viel. Für andere ist es genau richtig — weil die Gegenwert-Rechnung nicht in Euro aufgeht.

Maria sagt, sie hat die Frage warum irgendwann aufgehört zu stellen. Weil der Käse riecht, wenn er reif ist. Weil sie nach 25 Jahren an der Rinde erkennt, wie alt er ist und was die Kuh gefressen hat. Das ist kein Marketingversprechen. Das ist Handwerk, das Zeit braucht — und Sennerinnen, die diese Zeit noch mitbringen.

Was auf dem Teller landet

Der Bergkäse aus dem Zillertal, den du bei TIROLISH findest, kommt von Almen wie der von Maria. Kleiner Bestand, langer Reifeweg, kein Kompromiss beim Käsen. Wer weiß, was dahintersteckt — die Hände, die früh morgens melken, der Keller, in dem jeder Laib Woche für Woche gewendet wird — dem schmeckt er anders.

Ehrlich g'schmackig. Und das aus gutem Grund.

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